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Eintragung des akademischen Grades „MBA“ nach einem Lehrgang universitären Charakters

Ein MBA-Absolvent fragt heute bei mir an:

„Laut Rücksprache mit dem Passamt …. (Fr. …….) wurde mein MBA-Titel nicht eingetragen, weil es sich bei dem ausstellenden Institut um keine postsekundäre Bildungseinrichtung handelt?“

Nun, des Rätsels (und auch die rechtlich richtige) Lösung liegt

a) in der außer-universitären Bildungseinrichtung, die den akademischen Grad MBA verliehen hat und

b) der an sich richtigen Auffassung des Passamtes, dass es sich bei der verleihenden Institution nicht um eine postsekundäre Bildungseinrichtung handelt.

Aber die Eintragung hätte dennoch erfolgen müssen, bzw. hat zu erfolgen:

Der MBA wurde nämlich nach der positiven Absolvierung eines Lehrganges universitären Charakters verliehen.

Das Recht zur Verleihung des akademischen Grades MBA wurde dem – in diesem konkreten Falle verleihenden – Joseph Schumpeter Institut Wels durch die 35. MBA-Verordnung eingeräumt.

Das zuständige Ministerium (Wissenschaftsministerium) führt in den Richtlinien (Empfehlung) zur Führung akademischer Grade dazu dezidiert aus:

Eintragung akademischer Grade in Urkunden (Eintragungsrichtlinien 2012)

Das Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung geht bei den Empfehlungen zur Eintragung akademischer Grade in Urkunden von folgenden Grundsätzen aus:

1. Rechtsgrundlagen

a. Österreichisches Studienrecht 

 dd. Unter„anerkannten postsekundären Bildungseinrichtungen “versteht das österreichische Recht solche Bildungseinrichtungen, die Studien im Ausmaß von mindestens sechs Se­mestern durchführen, bei denen die Zulassung die allgemeine Universitätsreife bzw. die künstlerische Eignung voraussetzt und die in ihrem Sitzstaat als postsekundäre Bil­dungseinrichtungen anerkannt sind (§ 51 Abs. 2 Z 1 UG u.a.). Wesentlich ist dabei die Anerkennung der Institution als solcher und nicht nur des einzelnen Studienprogrammes. – Die von den Lehrgängen universitären Charakters (§ 124 Abs. 6 und 6a UG in Verbin­dung mit § 28 des Universitäts-Studiengesetzes – UniStG, BGBl. I Nr. 48/1997, in der geltenden Fassung) verliehenen akademischen Grade sind ebenfalls einzutragen, ob­wohl diese Institutionen keine anerkannten postsekundären Bildungseinrichtungen sind.

Die Mitarbeiter des Passamtes können sich zu dieser Frage auch jederzeit an das Ministerium wenden.

Rückfragen auch an Martin Stieger: martin.stieger@liwest.at

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Die Verwendung der Bezeichnung „Diplom“ nach österreichischen Lehrgängen in Deutschland

Grundsätzlich ist es so, dass in Deutschland nur Hochschulgrade und Abschlüsse an Berufsakademien mit der Bezeichnung ‚Diplom’ vergeben werden – zwar immer weniger, weil ja auch die deutschen Hochschulen auf Bologna (Bachelor, Master, PhD) umgestellt haben – die Bezeichnung Diplom als akademischer Grad aber geschützt ist.

Außerhalb des Hochschulbereichs bzw. außerhalb des Schutzes entsprechender Hochschulabschlüsse gibt es in Deutschland die Verwendung des Begriffs ‚Diplom’ auch als Berufsbezeichnung.

Die Verwendung des Begriffs „Diplom“ ist als Hochschulgrad im § 18 Hochschulrahmengesetz (HRG) geregelt:

§ 18 Hochschulgrade

(1) Auf Grund der Hochschulprüfung, mit der ein berufsqualifizierender Abschluss erworben wird, kann die Hochschule einen Diplomgrad mit Angabe der Fachrichtung verleihen. Auf Grund der Hochschulprüfung an Fachhochschulen oder in Fachhochschulstudiengängen anderer Hochschulen wird der Diplomgrad mit dem Zusatz „Fachhochschule“ („FH“) verliehen. Die Hochschule kann einen Diplomgrad auch auf Grund einer staatlichen Prüfung oder einer kirchlichen Prüfung, mit der ein Hochschulstudium abgeschlossen wird, verleihen. Das Landesrecht kann vorsehen, dass eine Hochschule für den berufsqualifizierenden Abschluss eines Studiums einen Magistergrad verleiht; dies gilt, unbeschadet des § 19, nicht für den Abschluss in einem Fachhochschulstudiengang. Nach näherer Bestimmung des Landesrechts kann eine Hochschule für den berufsqualifizierenden Abschluss eines Studiums auf Grund einer Vereinbarung mit einer ausländischen Hochschule andere als die in den Sätzen 1, 2 und 4 genannten Grade verleihen. Ein Grad nach Satz 5 kann auch zusätzlich zu einem der in den Sätzen 1, 2 und 4 genannten Grade verliehen werden.

(2) Im übrigen bestimmt das Landesrecht, welche Hochschulgrade verliehen werden. Es kann vorsehen, daß die Kunsthochschulen für den berufsqualifizierenden Abschluß eines Studiums andere als die in Absatz 1 genannten Grade verleihen.

Der Hochschulgrad „Diplom“ wird auf Grund dieser gesetzlichen Regelung also allein von Hochschulen für den Abschluss berufsqualifizierender Hochschulstudiengänge verliehen.

§ 18 HRG enthält allerdings keinen Ausschluss der Verwendung „Diplom“ im Zusammenhang mit staatlichen Abschlussbezeichnungen, die außerhalb des Hochschulbereichs vergeben werden.

Die Verwendung des Begriffs ‚Diplom’ außerhalb des Hochschulbereichs fällt allerdings in den Kompetenzbereich der deutschen Bundesländer.

Die Hochschulgesetze der Länder enthalten unter anderem zum Schutz der Hochschulgrade Regelungen, die die unbefugte Vergabe von Hochschulgraden und die Verwendung von Bezeichnungen, die Hochschulgraden zum Verwechseln ähnlich sind, als Ordnungswidrigkeit einstufen, vgl. z. B. § 125 Abs. 1 Berliner Hochschulgesetz.“

„Zum ‚Stellenwert eines Diploms’, das außerhalb von Deutschland – also z.B. in Österreich – erworben wurde, gilt, dass – soweit es um Hochschulabschlüsse geht, die mit der Bezeichnung ‚Diplom’ gebildet sind und diese in Deutschland anerkannt sind oder anerkannt werden (können), diese auch in Deutschland geführt werden dürfen.

In Österreich besteht der Schutz der Bezeichnung „Diplom“ nicht und kann daher auch für außer-hochschulische (Weiterbildungs-)Lehrgänge vergeben werden.

AbsolventInnen dieser Lehrgänge können auch im Lebenslauf anführen, dass sie ein Diplom nach einem solchen Lehrgang in Österreich erworben haben, dürfen die Bezeichnung „Diplom“ oder diplomierte/r …….. nicht im Namen führen, weil dies tatsächlich als Verwendung von Bezeichnungen, die Hochschulgraden zum Verwechseln ähnlich sind, zur Ordnungswidrigkeit erklärt und entsprechend geahndet werden kann.

Daher gilt:

– dass die AbsolventInnen nach einem außer-hochschulischen (privatwirtschaftlich angebotenen) Lehrgang in Österreich ein entsprechendes Zertifikat bekommen können,

– das Zertifikat auch Diplom oder dipl. ………. heißen kann,

– dieses „ Diplom“ aber keinem Hochschulgrad oder einer staatlichen Abschlussbezeichnung entspricht und

– daher in Deutschland nicht im Zusammenhang mit dem Namen geführt bzw. verwendet werden darf, ohne eine Ordnungsstrafe zu riskieren.