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Andreas Gabalier – der kalkulierte Regelverstoß als Antithese zu Conchita Wurst

Gabaliers genau kalkulierter Regelverstoß seiner Interpretation der österreichischen Bundeshymne löste – wie geplant – das zu erwartende Medienecho und den erhofften Shitstorm aus.

Die Idee sich als Antithese zu Conchita Wurst zu präsentieren ist ihm damit voll aufgegangen.

Hier die liberale, ja libertine Kunstfigur Conchita Wurst, die gegen Diskriminierung und für mehr Toleranz eintritt und dort die Kunstfigur eines volkstümlichen Musikers Andreas Gabalier, die konservativ und aus tiefer Überzeugung die Tradition eines historischen Liedtextes verteidigt – genau wissend, was das medientechnisch bedeutet.

Mich verblüfft wirklich, wie dankbar Befürworter und Gegner – trotz dieser nachgerade unerträglichen Durchsichtigkeit – dem Gabalierschen PR-Gag auf den Leim gehen und diesem damit erst zum Erfolg verhelfen.

Als Beispiel von Chiasmus im theoretischen Konzept der Antithese dient gelegentlich ein Zitat von Karl Marx:

„Die Waffe der Kritik kann allerdings die Kritik der Waffen nicht ersetzen.“

So finde ich die Art und Weise wie sich Gabalier hier inszenierte sehr schade.

Gabalier, der sich hunderttausende begeisterte Anhänger ersungen hat und für viele ein Vorbild ist, hätte mit dem Absingen der  Bundeshymne viel zu einem weltoffeneren Österreich beigetragen können – leider hat er aber mit seinen Auftritt am Red Bull Ring im Gegenteil viel Reaktionäres ausgelöst.

Sebastian Kurz und Conchita Wurst – erfolgreiche Bausteine in Österreichs „Competitive Identity Management“

Im August 2013 hatte der Ministerrat das Konzept für eine „Nation Brand Austria“ beschlossen.

Unter dem Leitmotiv „Brückenbauer für die Welt“ sollte die Kampagne aus der Feder von Politikberater Simon Anholt „die Sichtbarkeit, Relevanz und Wiedererkennbarkeit Österreichs“ im Ausland nachhaltig stärken (so Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner damals).

Ein „Brückenbauer für die Welt“ soll unser Land also sein, das unter anderem in den Bereichen Kultur, Tourismus, Wirtschaft, Außenpolitik…..

Natürlich ist ein Land, ein Staat keine Handelsmarke. Simon Anholt nennt seine Arbeit daher auch „Competitive Identity Management„, also das Management einer wettbewerbsfähigen nationalen Identität.

Ich finde den Ansatz sehr interessant und ausbaufähig.

Wenn Außenminister Sebastian Kurz rund 30 Außenminister zu einer hochrangigen Ukraine-Konferenz des Europarates in der Wiener Hofburg versammelt und Conchita Wurst den Song Contest nicht zuletzt auf Grund der höchst politischen Ansage eindrucksvoll gewinnen konnte – dabei muss man auch an das mutige Projekt des Life Balls von Gery Keszler schon zu Beginn der 90er Jahre erinnern – dann sind das aus meiner Sicht großartige Bausteine eines Österreich als Brückenbauer für eine friedlichere, gesellschaftspolitisch modernere und tolerantere – einfach eine bessere – Welt.