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Europäische Leitlinien für die Validierung nicht formalen und informellen Lernens

Cedefop reference series 104

Luxemburg: Amt für Veröffentlichungen der Europäischen Union, 2016

Die „Europäische Leitlinien für die Validierung nicht formalen und informellen Lernens“ sind am 15. April 2016 auf deutsch erschienen.

Einige Sätze daraus:

Jeden Tag bieten sich uns Gelegenheiten zum Lernen.

Nicht nur in formalen Bildungseinrichtungen, sondern auch in unserem täglichen Leben am Arbeitsplatz, zu Hause oder in der Freizeit können wir sehr wertvolle Kenntnisse, Fähigkeiten und Kompetenzen erwerben.

Das lebenslange Lernen ist ein wichtiger Weg zur persönlichen Weiterentwicklung: durch seine Anerkennung können individuelle Leistungen und deren potenzieller Beitrag für die Gesellschaft einen angemessenen Stellenwert erhalten.

Dennoch sind die Einstellungen so stark von herkömmlichen Bildungsformen geprägt, dass nicht formales und informelles Lernen häufig nicht gesehen und unterbewertet wird.

In der Empfehlung des Rates zur Validierung nichtformalen und informellen Lernens von 2012 wird diese Situation anerkannt und dafür plädiert, ein systematischeres Vorgehen bei der Validierung zu fördern und die Sichtbarkeit und den Stellenwert des Lernens außerhalb formaler Bildungs- und Berufsbildungseinrichtungen zu steigern.

Ein zentrales Ziel der Empfehlung von 2012 ist, dass die Mitgliedstaaten der Europäischen Union zusammenarbeiten, um bis 2018 nationale Regelungen für die Validierung einzuführen, die es allen Bürgern ermöglichen, ihre nicht formalen und informellen Lernerfahrungen ermitteln und dokumentieren, sowie auf Wunsch bewerten und zertifizieren zu lassen.

Eine Validierung kann vielfältige Ergebnisse haben, die von formalen Qualifikationen bis hin zu unternehmensinternen Nachweisen erworbener Kompetenzen reichen.

Alle haben jedoch eine Gemeinsamkeit: es handelt sich um Anstrengungen zur Erhöhung der Sichtbarkeit und des Werts des Lernens, das außerhalb von Schulen und Berufsbildungseinrichtungen stattfindet.

Um die grundlegenden Phasen einer Validierung zu erläutern, werden in der Empfehlung folgende vier Einzelschritte unterschieden:

  • Identifizierung,
  • Dokumentierung,
  • Bewertung und
  • Zertifizierung.

 

Die vier Einzelschritte:

  • IDENTIFIZIERUNG der Lernergebnisse, die eine Person auf nichtformalem oder informellem Weg erzielt hat;
  • DOKUMENTIERUNG der Lernergebnisse, die eine Person auf nichtformalem oder informellem Weg erzielt hat;
  • BEWERTUNG der Lernergebnisse, die eine Person auf nichtformalem oder informellem Weg erzielt hat;
  • ZERTIFIZIERUNG der Ergebnisse der Bewertung der von einer Person auf nichtformalem oder informellem Weg erzielten Lernergebnisse in Form einer Qualifikation, oder in Form von Leistungspunkten, die zu einer Qualifikation führen, oder in einer anderen geeigneten Form;“[1]

 

Diese Phasen werden je nach dem Zweck der jeweiligen Validierung unterschiedlich kombiniert und gewichtet.

Wenn eine formale Qualifikation angestrebt wird, ist die Stichhaltigkeit und Glaubwürdigkeit der Bewertungsphase entscheidend.

In anderen Fällen, beispielsweise in Bezug auf Freiwilligenarbeit, kann der Schwerpunkt stärker auf der Identifizierung und Dokumentierung und weniger auf der formalen Bewertung und Zertifizierung liegen.

Wahrscheinlich sind diese vier Schritte aber in allen Validierungsregelungen enthalten.

Zweck der Validierung ist ein Nachweis von Lernerfahrungen, der im Rahmen des weiteren Bildungswegs oder auf dem Arbeitsmarkt angerechnet werden kann.

Wer weiterlesen möchte: http://www.cedefop.europa.eu/de/translated-content/de

 

[1] Rat der EU, 2012, Seite 3, Nummer 1 Ziffer 2 Buchstaben a bis d.

10 Jahre Europass – eine Erfolgsgeschichte

Immer mehr Personen nutzen den Europass.

Der Europass ist ein  Portfolio von fünf Dokumenten und bietet als kostenloser Service der Europäischen Union allen europäischen Bürgerinnen und Bürgern die Möglichkeit, ihre in der Schule, an der Universität oder im Rahmen von Lern- oder Ausbildungsaufenthalten im Ausland erworbenen Fähigkeiten klar und einheitlich darzustellen.

An der Europass Initiative nehmen mehr als 30 europäische Länder teil.

Über 126 Millionen Menschen haben die Website seit ihrer Einrichtung im Jahr 2005 besucht; 2015 waren es 24 Millionen.

Seit 2005 wurden 65 Millionen Lebensläufe online erstellt; 2015 waren es 18 Millionen.

Fünf Dokumente machen Ihre Kompetenzen und Qualifikationen europaweit transparent und verständlich:

europass skillspass

http://www.europass.at/

http://europass.cedefop.europa.eu/de/home

 

 

 

 

Das Europäische Zentrum für die Förderung der Berufsbildung CEDEFOP – eine wichtige und unterschätzte Institution

Das Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung CEDEFOP leistet unglaublich hochwertige und interessante Forschungsarbeiten, organisiert Konferenzen und legt sehr seriösen Studien vor, ist aber selbst an Hochschulen viel zu wenig bekannt.

Leider.

Natürlich ist die Berufsbildung Sache der nationalen Politik aber im gemeinsamen europäischen Arbeitsmarkt ist auch die europäische Zusammenarbeit in der Pflicht.

Das Cedefop[1] unterstützt mit seiner Forschungsarbeit die europäische und nationale Berufsbildungspolitik.

Es befasst sich insbesondere damit, wie (Berufs)bildungsinhalte besser auf die Erfordernisse des Arbeitsmarkts abgestimmt werden können, sei es durch Qualifikationsrahmen, die Validierung informellen und nicht formalen Lernens oder Lernen am Arbeitsplatz.

Über seine Expertennetzwerke in den Mitgliedstaaten der Europäischen Union trägt das Cedefop Fachinformationen zur Berufsbildungspolitik und -praxis in ganz Europa zusammen.

Auf deren Grundlage erstellt es Analysen und Statistiken, um länderübergreifende Vergleiche zu ermöglichen sowie aktuelle Herausforderungen und künftige Entwicklungstrends zu ermitteln.

Das Cedefop legt seine Berichte der Europäischen Kommission, dem Europäischen Parlament, den Mitgliedstaaten und den europäischen Sozialpartnern vor.

Cedefop berät seine Interessengruppen in Berufsbildungsfragen und bietet politischen Entscheidungsträgern, Sozialpartnern, Forschern und Praktikern ein Forum, damit sie sich darüber austauschen können, wie die Berufsbildung in Europa verbessert werden kann.

Die Berufsbildung allein kann weder das Wirtschaftswachstum ankurbeln noch Arbeitsplätze schaffen oder die Wettbewerbsfähigkeit steigern.

Sie kann jedoch dafür sorgen, dass Europa über die wichtigste Voraussetzung für Wachstum, Beschäftigung und Wettbewerbsfähigkeit verfügt

  • nämlich Arbeitskräfte mit den richtigen Qualifikationen –

indem sie den Menschen das Rüstzeug an die Hand gibt, einen Arbeitsplatz zu finden, zu behalten und ihr Erwerbsleben in einem sich rasch wandelnden Umfeld dauerhaft zu meistern.

2015 hat das Cedefop seine Tätigkeiten umgebaut, um sie noch stärker auf folgende Prioritäten auszurichten:

  • Verbesserung der Berufsbildungssysteme und -einrichtungen,
  • Entwicklung von Lernmethoden, die die individuelle Beschäftigungsfähigkeit verbessern, sowie
  • bessere Abstimmung von Kompetenzangebot und Arbeitsmarktbedarf.

Diese stärkere Fokussierung auf den Arbeitsmarkt spiegelt sich darin wider, dass das Zentrum, für das bisher die Generaldirektion Bildung der Europäischen Kommission zuständig war, 2014 der Generaldirektion Beschäftigung unterstellt wurde.

Überzeugen Sie sich selbst und nutzen Sie die vielfältigen auf deutsch vorhandenen Publikationen:

http://www.cedefop.europa.eu/de/translated-content/de

[1] http://www.cedefop.europa.eu Das Cedefop, mit Verordnung (EWG)
 Nr. 337/75 des Rates
 vom 10. Februar 1975 in Berlin über die Errichtung eines Europäischen Zentrums für die Förderung der Berufsbildung ins Leben gerufen, seit 1995 mit Sitz in Thessaloniki, ist das europäische Referenzzentrum für politische Entscheidungsträger, Sozialpartner, Berufsbildungseinrichtungen, Lehrkräfte und Ausbilder sowie Lernende aller Altersgruppen; sohin für alle, die an beruflicher Bildung beteiligt sind