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Deutsche Weiterbildungsmaster – Behandlung in österreichischen Berufungsverfahren

Eine Absolventin frägt mich nach der Rechtsnatur bzw. Eignung eines in Deutschland absolvierten Masterstudiums für einen A-wertigen (v1/2) Arbeitsplatz.

Ich darf antworten: herzlichen Dank für Ihr Mail und Ihre Fragen, die mir immer wieder so gestellt werden, weil in Österreich mit dem Begriff „Weiterbildungsmaster“ bis zu den Novellierungen, die das Hochschullegistikpaket 2021 mit sich brachte, ausschließlich Mastergrade in der Weiterbildung nach Abschluss von

  • Universitätslehrgängen (§ 58 des Universitätsgesetzes 2002 – UG, BGBl. I Nr. 120/2002, in der geltenden Fassung),
  •  Lehrgängen universitären Charakters (§ 28 des Universitäts-Studiengesetzes – UniStG, BGBl. I Nr. 48/1997, in der zuletzt geltenden Fassung) – längst ausgelaufen,
  •  Lehrgängen zur Weiterbildung (§ 14a Abs. 2 des Fachhochschul-Studiengesetzes – FHStG, BGBl. Nr. 340/1993, in der geltenden Fassung) – neu Hochschullehrgänge (§ 9 FHStG) oder
  •  Hochschullehrgängen (§ 39 Abs. 2 des Hochschulgesetzes 2005 – HG, BGBl. I Nr. 30/2006)

verliehen wurden, die zwar in den Zugangsbedingungen, im Umfang und den Anforderungen mit Zugangsbedingungen, Umfang und Anforderungen entsprechender ausländischer Masterstudien vergleichbar waren, aber eben rechtlich nicht gleichwertig mit den Mastergraden aufgrund des Abschlusses ordentlicher Studien (Masterstudien) gestellt und zudem außerhalb der Bolognaarchitektur angeboten wurden.

Völlig anders dagegen die Rechtslage in Deutschland!

Mit Ihrem abgeschlossenen Masterstudium erfüllen Sie zweifellos die Voraussetzung für den Arbeitsplatz v1/2.

Kurz zusammengefasst die rechtliche Situation zu Ihrem Masterabschluss:

  • es handelt sich um einen berufsqualifizierenden Hochschulabschluss, der nach einer Regelstudienzeit von zwei Semestern an einer Universität erworben wurde.
  • Deutsche Masterstudiengänge werden nach den Profiltypen „stärker anwendungsorientiert“ und „stärker forschungsorientiert“ differenziert. Der weiterbildende Master ist stärker anwendungsorientiert.
  • Die Zugangsvoraussetzung für einen Masterstudiengang sind dabei in beiden Fällen (auch in dem Ihren) ein erster berufsqualifizierender Studienabschluss.
  • Konsekutive Masterstudiengänge bauen inhaltlich auf einem vorangegangenen Bachelorstudiengang auf und sind Teil des Graduierungssystems gestufter Abschlüsse, das die traditionellen Hochschulabschlüsse (Diplom und Magister) ersetzt hat.
  • Deutsche nicht-konsekutive und weiterbildende Masterstudiengänge entsprechen in den Anforderungen den konsekutiven Masterstudiengängen und führen zu dem gleichen Qualifikationsniveau und denselben Berechtigungen.
  • Deutsche Masterabschlüsse verleihen dieselben Berechtigungen wie Diplom- und Magisterabschlüsse an Universitäten und gleichgestellten Hochschulen.

Eine fachkundige Beurteilung seitens Ihres Arbeitgebers kann nur die völlige Gleichwertigkeit Ihres deutschen weiterbildenden Masterabschlusses mit einem Masterabschluss nach einem österreichischen Regelstudium ergeben, eine andere Beurteilung ist denkunmöglich.

Abschließend darf ich – unbeschadet EU-weiter Regelungen, auch noch auf das deutsch-österreichische Äquivalenzabkommen verweisen:
https://www.kmk.org/fileadmin/pdf/ZAB/Aequivalenzabkommen/Osterreich.pdf

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Fragen zum Beitrag, interessanten Studienangeboten und Lehrgängen bitte an martin.stieger@viennastudies.com

Prof. Dr. Dr. Martin Stieger 

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Vorlesungen:

Österreichische „Lehrgänge universitären Charakters“ für deutsche Masterstudien anrechenbar?

Kurze Antwort: Ja

Längere Antwort:

Heute schrieb mir ein Absolvent aus einem Masterlehrgang:

Ich wollte mich für einen nicht konsekutiven Master an der Universität N.[1] einschreiben. Diesen Master gibt es als 60, 90 und 120 ECTS-Variante. Je nachdem wie hoch die Anzahl der bereits erreichten ECTS-Punkte ist, wird man für diejenige Variante zugelassen bei der man zum Ende des Studiums mindestens die zur Promotion nötigen 300 ECTS erreicht.

Aufgrund meiner beruflichen und privaten Situation kommt für mich nur der 60 ECTS Master in Frage. Meine bisher erreichten 272 ECTS[2] müssten dafür eigentlich mehr als ausreichen, aber die 92 ECTS aus dem Master nach einem „Lehrgang universitären Charakters“ werden leider nicht anerkannt.

Die deutsche Universität will die Zulassung nur für den Master in der Variante 120 ECTS  aussprechen und begründet das wie folgt:

Der Master wurde erworben in einem Lehrgang universitären Charakters. Diese werden von Einrichtungen angeboten, die keinen Hochschulstatus haben. Die Einrichtung ist auch nicht in anabin zu finden. In Österreich haben diese Abschlüsse auch keine Relevanz für eine Promotionszulassung.“

 Ich durfte dem Kollegen antworten:

……….. Grundsätzlich kann jede Hochschule auf Basis der gesetzlichen Grundlagen den Zugang von Studierenden selbst regeln, insbesondere in von den Studierenden selbst finanzierten Weiterbildungsstudien und kann das natürlich die Universität N. auch tun und daher halten wie sie will.

Klar ist auch, dass deutsche Hochschulen mit dem österreichischen Hochschulrecht nicht sehr vertraut sind.

Die Ausführungen der Universität N. sind daher auch nur teilweise richtig.

Sie haben Ihren MA tatsächlich in einem Lehrgang universitären Charakters erworben, der zur Gruppe der Lehrgänge der Weiterbildung zählt, die in Österreich nahezu jede Universität, Fachhochschule und auch Pädagogische Hochschule anbietet.

Die Lehrgänge universitären Charakters (LuC’s) konnten auf Grund des Bundesgesetzes über die Studien an den Universitäten (Universitäts-Studiengesetz  – UniStG bis zum 31. 12. 2012 als Lehrgänge der Weiterbildung von außeruniversitären wissenschaftlichen Bildungseinrichtungen angeboten werden. Die Lehrgänge universitären Charakters (LuC’s) liefen österreichweit mit 31. 12. 2012 aus, weil das UniStG durch das UG ersetzt wurde, und das Universitätsgesetz keine Lehrgänge universitären Charakters mehr kannte. Daher ist auch klar, dass die Anbieter von Lehrgängen universitären Charakters natürlich nicht als Hochschulen akkreditiert waren.

Aber jeder einzelne Lehrgang universitären Charakters musste durch das Wissenschaftsministerium genehmigt werden und wurde in eigenen Verordnungen (BGBl. II) des Wissenschaftsministeriums verlautbart.

Da es sich materiell rechtlich um einen Lehrgang der Weiterbildung handelt, kann man damit laut einem Erkenntnis des Verwaltungsgerichtshofes (VwGH) vom 29. Jänner 2010, Zahl 2004/10/0227, auch nicht zur Promotion zugelassen werden, was vor diesem Erkenntnis aus Sicht des österreichischen Wissenschaftsministeriums durchaus möglich war.

In Lehrgängen der Weiterbildung können natürlich ECTS erworben werden, die auch auf Regelstudien angerechnet werden können (§ 78 österreichisches Bundesgesetz über die Organisation der Universitäten und ihre Studien (Universitätsgesetz 2002 – UG) StF: BGBl. I Nr. 120/2002

Unbeschadet der bisherigen Ausführungen der Universität N. könnte Sie die Universität also durchaus für den weiterbildenden Masterstudiengang mit entsprechend verkürzter Studiendauer aufnehmen, insbesondere, weil die Universität ja selbst ausführt, dass dies von der Anzahl erworbener CP abhängt: „4, 6 oder 8 Semester (je nach Anzahl zuvor erworbener CP) und Sie diese in einem abgeschlossenen Weiterbildungslehrgang auf Niveau 7 des EQR erworben haben und ja nicht durch das Absolvieren einzelner Lehrveranstaltungen zusammengesammelt haben.

Es liegt einzig im Ermessen der Universität N., Sie entsprechend Ihrem Wunsche aufzunehmen oder nicht, die Möglichkeit dazu hätte die Universität.

Siehe zum Thema auch:

Rückfragen, weitere Informationen und Anmeldungen zu spannenden Lehrgängen: vis@viennastudies.com

Prof. Dr. Dr. Martin Stieger

hält eine Professur für Berufsbildung und Wirtschaftspädagogik, lehrt an der Hochschule Allensbach in Konstanz und arbeitet für VIS – Vienna International Studies https://viennastudies.com/

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VIS – (Akademische) Weiterbildung im Fernstudium


[1] Ich nenne in meinem Blog nie die betroffenen Personen und Hochschulen, wenn das nicht geboten ist.

Natürlich gibt es die geschilderten Sachverhalte und Fragestellungen an mich wirklich, es wird in meinem Blog nichts konstruiert und sind mir alle Beteiligten auch namentlich bekannt

[2] Abgeschlossenes Bachelorstudium mit 180 ECTS und abgeschlossenen Master-Lehrgang mit 92 ECTS.