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Baden-Württemberg: Grünes Licht für Aufbau einer Landespflegekammer

Foto: Land Baden-Württemberg

Der Landtag hat grünes Licht zum Aufbau einer Pflegekammer in Baden-Württemberg gegeben. Sie wird den Stellenwert des Pflegeberufs und die Interessen der Pflegefachkräfte im Land deutlich stärken.

Der Landtag hat am Mittwoch, 24. Mai 2023, ein klares Signal an die Pflegefachkräfte in Baden-Württemberg gesendet und in zweiter Lesung das Gesetz zur Errichtung einer Landespflegekammer beschlossen. Gesundheitsminister Manne Lucha zeigte sich erfreut und dankte den Regierungsfraktionen: „Der Stellenwert des Pflegeberufs und die Interessen der Pflegefachkräfte in Baden-Württemberg werden durch die Errichtung einer Landespflegekammer deutlich gestärkt. Pflegefachkräfte sollen endlich die Chance erhalten, ihren Beruf selbst mitzugestalten und sich auf Augenhöhe einzubringen. Die Einrichtung einer Landespflegekammer ist daher ein wichtiger Schritt zur Aufwertung des Pflegeberufs und ein Baustein zur Sicherung des Fachkräftebedarfs“, so Lucha in Stuttgart.

Starke Stimme für Pflegefachkräfte im Land

Die Landespflegekammer soll nach dem Willen der Landesregierung die sechste Heilberufe-Kammer in Baden-Württemberg werden und wichtige Aufgaben übernehmen. Das Gesetz sieht unter anderem vor, dass die Kammer eine eigene Weiterbildungsordnung erarbeitet, um für die Bürgerinnen und Bürger im Land eine qualitätsgesicherte pflegerische Versorgung auf höchstem Niveau sicherzustellen. Zudem soll sie eine Berufsordnung erarbeiten, bei der es die Pflegekräfte selbst in der Hand haben, die Rechte und Pflichten für ihren eigenen Berufsstand festzulegen.

Darüber hinaus soll die Pflegekammer den Pflegefachkräften im Land eine Plattform bieten, die es ihnen ermöglicht, sich zu vernetzen und auszutauschen und damit die Gemeinschaft der in der Pflege beschäftigten Fachkräfte zu stärken. Und letztlich soll sie mit einer starken Stimme, die alle rund 110.000 Pflegefachkräfte in Baden-Württemberg vereint, ihre Interessen gegenüber Öffentlichkeit, Politik und anderen Akteuren des Gesundheitswesens vertreten. Vorgesehen ist, dass die Pflegekammer in Gesetzgebungsprozessen und bei allen Themen, die die Profession Pflege betreffen, mit am Tisch sitzt. „In Zukunft wird nicht mehr über, sondern mit der Pflege geredet. Somit zieht dieser Berufsstand endlich gleich zu den bereits bestehenden Heilberufe-Kammern“, so Minister Lucha.

Gründungsausschuss nimmt Arbeit auf

Im nächsten Schritt wird nun im Juli dieses Jahres der Gründungsausschuss – das Gremium, das die Pflegekammer vorbereitet – seine Arbeit aufnehmen. Er wird sich aus Pflegefachkräften zusammensetzen und hat 18 Monate Zeit, die rund 110.000 Pflichtmitglieder zu registrieren und die Wahl zur ersten Vertreterversammlung vorzubereiten. Ende 2024 soll die gewählte Vertreterversammlung zum ersten Mal zusammentreten. Mit dem Zusammentritt der ersten Vertreterversammlung soll dann die Landespflegekammer offiziell gegründet und der Gründungsausschuss aufgelöst werden.

Bereits bei der Besetzung des Gründungsausschusses wird das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration darauf achten, dass der Anteil von Frauen und Pflegefachkräften aus den verschiedenen Bereichen dem tatsächlichen Pflegealltag entspricht. Wichtig ist, dass Pflegefachkräfte aus allen Bereichen angemessen vertreten sind, damit sie ihre berufliche Expertise bestmöglich einbringen können.

60 Prozent der zukünftigen Pflichtmitglieder müssen registriert sein

Um der Landespflegekammer von Anfang an eine starke demokratische Grundlage zu geben, findet die Wahl zur ersten Vertreterversammlung nur statt, wenn 60 Prozent der zukünftigen Pflichtmitglieder registriert sind. Für dieses Errichtungsquorum werden nur Kammermitglieder berücksichtigt, die keine Einwendungen gegen die Registrierung erhoben haben. Wird das Errichtungsquorum nicht erreicht, wird die Landespflegekammer nicht errichtet und der Gründungsausschuss aufgelöst. Das Verfahren der Registrierung wird vom Gründungsausschuss in den nächsten Monaten durchgeführt und alle Einrichtungen und Pflegekräfte werden darüber niederschwellig und direkt informiert.

Für Baden-Württemberg ist die Verabschiedung des Gesetzesvorhabens zur Errichtung einer Landespflegekammer ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der Pflege und zur Fachkräftesicherung. „Denn niemand kann die Pflege besser vertreten als die Pflege selbst“, ist der Sozialminister überzeugt.

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Siehe dazu auch:

Fragen zum Beitrag, interessanten Studienangeboten und Lehrgängen bitte an martin.stieger@allensbach-hochschule.de

Prof. Dr. Dr. Martin Stieger

Einstufung der Pflegeberufe erfolgt – neue Chancen – auch in der Weiterbildung:

https://www.youtube.com/@YouTubeProfessor/videos

Baden-Württemberg lobt Ideenwettbewerb zum Pflegeberuf aus

 © picture alliance / dpa | Jens Wolf

Das Land lobt einen Ideenwettbewerb zum Wiedereinstieg und Verbleib im Pflegeberuf mit einer Million Euro aus. Es werden spannende Vorschläge gesucht, wie Pflegerinnen und Pfleger im Job entlastet und deren Wertschätzung verbessert werden kann.

Pflegekräfte sind die unverzichtbare Stütze eines guten Gesundheitssystems. Aber wie können überlastete, ausgelaugte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege gehalten und ehemalige Pflegekräfte für den Beruf zurückgewonnen werden? Das Ministerium für Soziales, Gesundheit und Integration wird einen Ideenwettbewerb zum Verbleib und Wiedereinstieg in den Pflegeberuf ausloben. Eine Millionen Euro stehen dafür zur Verfügung. Der Ministerrat hat einem entsprechenden Vorschlag von Gesundheitsminister Manne Lucha in seiner jüngsten Sitzung am 31. Mai 2022 zugestimmt.

Wertschätzung für den Pflegeberuf verbessern

„Viele Kolleginnen und Kollegen in der Pflege waren in der Pandemie derart belastet, dass sie ausgestiegen sind oder zumindest über einen Jobwechsel ernsthaft nachdenken“, sagte Minister Manne Lucha am Donnerstag, 2. Juni 2022, in Stuttgart. „Das müssen wir unbedingt verhindern, denn der Fachkräftemangel ist eines der größten Probleme in der Pflege. Zugleich gibt es in den Pflegeeinrichtungen und Kliniken sehr viele kreative Köpfe, die mit motivierenden und nachahmenswerten Konzepten und Ideen auf diesen wichtigen, verantwortungsvollen und unverzichtbaren Beruf aufmerksam machen. Das wollen wir mit diesem Wettbewerb sichtbar machen und damit zum Nachahmen anregen.“

Gesucht werden gut durchdachte, kluge und zündende Konzepte, die einen Beitrag zur Wiedergewinnung von Pflegekräften für und deren Bindung an den Beruf leisten, wie zum Beispiel verlässliche Arbeitszeitmodelle, Fortbildungsprogramme oder Maßnahmen zur Entlastung und besseren Wertschätzung der Pflegekräfte. Das Land belohnt die besten Ideen mit einem Preisgeld von bis zu 80.000 Euro.

Einsatz für eine nachhaltige Reform der Pflege

Baden-Württemberg setzt sich darüber hinaus federführend in einer Bund-Länder-Arbeitsgruppe für eine umfassende und nachhaltige Reform der Pflege ein. Die Arbeitsgruppe beschäftigt sich insbesondere mit Maßnahmen zur Unterstützung pflegender Angehöriger, Verbesserungen für Pflegebedürftige, die in der eigenen Häuslichkeit leben, sowie finanziellen Entlastungen für Bewohnerinnen und Bewohner stationärer Pflegeeinrichtungen. „Selbstverständlich sind bessere Arbeitsbedingungen und eine bessere Finanzierung in der Pflege durch den Bund ganz wichtig. Aber auch jede kleine, feine Idee zur Verbesserung der Wertschätzung ist sehr willkommen – dazu dient unser Landeswettbewerb“, sagte Minister Manne Lucha.

Mit der generalistischen Pflegeausbildung wurde bereits eine attraktive, neue Pflegeausbildung geschaffen. Wichtige Bausteine zur weiteren Professionalisierung des Pflegeberufs sind die mit dem Pflegeberufegesetz eingeführten Vorbehaltsaufgaben, die ausschließlich von Pflegefachkräften ausgeführt werden dürfen, und ebenso die beabsichtigte selbstständige und eigenverantwortliche Übernahme von heilkundlichen Aufgaben. Ein weiterer Baustein für die Zukunft der Pflege ist die Akademisierung, die vom Land unterstützt wird. Hervorzuheben ist auch die im Rahmen der „Konzertierten Aktion Pflege“  vereinbarte Verpflichtung, dass alle Pflege- und Betreuungskräfte in Pflegeeinrichtungen der Altenpflege zukünftig nach Tarif zu entlohnen sind.

Die Ausschreibung zu diesem Ideenwettbewerb, der sich an Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen richtet, wird nach der Entscheidung des Ministerrats nun finalisiert und zeitnah auf der Webseite des Sozialministeriums veröffentlicht.

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Fragen zum Beitrag, interessanten Studienangeboten und Lehrgängen bitte an martin.stieger@allensbach-hochschule.de

Prof. Dr. Dr. Martin Stieger 
hält eine Professur für Berufsbildung und Wirtschaftspädagogik, lehrt an der Allensbach Hochschule in Konstanz, ist dort auch Rektor